Zeit haben

ist eine Mühsal, in die bei meinem Mindset auch gleich Enttäuschung eingeschrieben ist. Zunächst geht es noch – und zwar so lange ich gehe. An einem Ort zu sein, den ich noch nie oder vor langem aufgesucht habe, bietet einigen Reiz. Sind andere Menschen dort unterwegs, rumort außerdem die Hoffnung herum (ebenso allgegenwärtig wie blöde), es könnte sich ereignen eine alles verändernede Begegnung. (Aus der dann freilich nach einiger Zeit nur heraushülfe – eine alles verändernde Begegnung.) Nach dem Gehen verschafft ein Café neue Abwechslung. Auch hier wird das Umfeld abgetastet vor dem Hintergrund der Frage: „Wo zum Teufel ist denn nun der Mensch meines Lebens?“ Es ist so peinlich – aber nun mal unbedingt die treibende Kraft in meinem Leben. Was dazu führt, dass mir nie „jetzt“ passiert. Erwartung ist, was durch meinen Lebensfaden geht wie warmes Messer durch Butter. Und zur Folge hat: lauter lose Enden. Ein wimmelndes Winden auf dem Tisch vor mir. Wobei die meisten Fadenabschnitte bereits darunter liegen. Unerreichbar für meine ebenfalls recht zerschnibbelte Erinnerung. Bliebe nur noch zu erwähnen, dass meine Fadenabschnitte aus irgendeinem Grund rot sind. (Das beste an diesem Text: Er hat mir eine halbe Stunde Zeit verschafft, mit mir. Wobei in diesem „mit“ etwas psychologisch sicher eher Fragwürdiges steckt.)

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